Von morgens früh bis Mittwochabends spät - der Stadtachter 2026

Montagmorgen 5:20 Uhr. Die ganze Stadt Kiel ist ruhig. Die ganze Stadt? Nein, neun wahnsinnige Ruder*innen des ARV Kiel radeln gen Bootshaus (oder sprinten wie Simon, wenn er mal wieder sein Fahrrad irgendwo stehen lassen hat). Das Haus wird erleuchtet, müde begegnet man sich in Flur und Umkleide.

“Na wie gehts, bist du motiviert?” kommt als begrüßende Frage.

  • “Jaaaa ich hab richtig Bock heute” ist die Antwort, oder auch eher mal ein:
  • “Boah nee, ich bin sooooo fertig”.

Um 5:29 stolpert dann auch die letzte Person in die Umkleide und macht sich im Schnelldurchgang fertig, während andere schon die Riemen an den Steg tragen. Schließlich soll um 5:30 eigentlich die Hand am Boot sein…

Ja, so begannen in den letzten Wochen die meisten Montag- und Donnerstagmorgende für Marina, Laura, Erik, Julius, Marlene, Danny, Maia, Liam und Simon. Aber nicht nur für diese neun! Marina war anfänglich noch in Frankreich und wurde meist durch Lucie vertreten. Außerdem wurde die Schlagposition zuerst durch Inke besetzt, die dann ihren Platz doch an Liam abgetreten hat. Ebenfalls erwähnen muss man all die Menschen, die uns ausgeholfen haben, wenn die ein oder andere Person mal wieder durch Krankheit, andere Termine oder was auch immer nicht konnte. Danke euch!

Das Training lief langsam an, zu Beginn hatten wir häufig schlechtes Wetter, weshalb dann doch mal eine Ergo-Session eingelegt wurde. Auch das Finden der Trainingszeiten gestaltete sich zeitlich schwierig, wenn uns von vorne der Sonnenaufgang und von hinten Uni und Arbeit limitierten. Am 13.04. ging es dann aber endlich das erste Mal mit dem Wolfi aufs Wasser. Fazit: Es lief erstaunlich gut, aber puh, wir haben einiges an Arbeit vor uns!

 

Nach ein paar weiteren Trainingseinheiten dann ein großer Wechsel: Der neue Achter ist da! Auf das erste Fillippi-Achter-Training habe zumindest ich mich besonders gefreut und die Freude wurde auch belohnt. Das Boot fuhr sich sehr gut und bei der Endbesprechung wurden besonders die bequemen Rollsitze lobenswert erwähnt. Wer hätte das gedacht, bequeme Sitze? In einem Ruderboot? Der Filippi-Achter hat sie! Kurz vor der KiWo wurden dann noch von Matthäus die Riemen umlackiert, sodass sie nun die ARV-Rune auf strahlendem Weiß zeigen.

Doch auch das beste Boot ist nichts ohne eine fähige Mannschaft. In unzähligen Trainings haben wir Technikübung um Technikübung durchgeführt. Und in der Endphase wurde sogar von den Motiviertesten das gemeinsame 8er-Training um Einheiten im Dr. Klöbner, unserem Riemen-Vierer, erweitert. Sehr wertvoll war auch die Unterstützung von außen, wenn wir mal mit dem MoBo begleitet wurden. Dank des inoffiziellen Vereinsfotographen David sind dabei auch schöne Fotos und vor allem Videos für die Technikanalyse entstanden. Mit Jules hatten wir Ab und zu mal eine andere Steuerperson, was auch erfreulich war, auch wenn sich wahrscheinlich die meisten mit gemischten Gefühlen an die 6x500m zurück erinnern.

Wir haben natürlich auch nicht nur trainiert, sondern auch gerne und vor allem gut zusammen gefrühstückt. Bis auf ein paar unglückliche Ausnahmen aufgrund fehlender Absprachen waren wir immer reichlich mit Brötchen und allen Aufstrichen, die das Herz begehrt, versorgt, weshalb viele nicht nur bis 8 Uhr sondern auch mit Freuden länger im Verein verblieben. Andere mussten dann doch häufiger mal ein Frühstück nebenbei in der Vorlesung einnehmen (sorry für das Knistern der Brötchentüte an meine Profs) oder es sogar auf noch später verschieben, aber was tut man nicht alles für den Stadtachter…

 

Nachdem sehr viel Schweiß (aber hoffentlich nur wenig Blut und Tränen) vergossen wurden, war es endlich so weit: Mittwoch der Kieler Woche. Schon den ganzen Nachmittag versammelten sich nach und nach alle Teammitglieder im Bootshaus, wobei die meisten Unterhaltungen aus “Bist du auch so nervös?” – “Jaaaa ich bin so aufgeregt!” bestanden. Kurz nach dem Rennen des Studivierers ging es aufs Wasser zum Warmmachen. Die Wellen durch diverse Schiffe waren doch etwas ungewohnt nach dem spiegelglatten Wasser der Abschlusstrainings und die Anspannung tat das übrige, aber kurz vor 20 Uhr waren wir pünktlich an der Startlinie. Im Gegensatz zum langen Warten des letzten Jahres kam das Startsignal überpünktlich und dann ging es los auf die Strecke! Kraftvoll schoben wir das Boot vorwärts, stetig unterstützt von den Anfeuerungsrufen unseres Steuermanns. Ab jetzt fokussierten sich alle Gedanken ins Boot.

 

Yes, Start geschafft! Jetzt bloß keinen Krebs fangen! … Mensch ist das anstrengend! … Wow, wir haben Germania und die Schüler komplett hinter uns gelassen! … Fokus! … Ich kann langsam nicht mehr aber es ist gleich Endsprint… Ich höre die anderen von der Kiellinie anfeuern! … Moment sind wir schon im Ziel? Ist es vorbei?

So ungefähr sahen meine wenigen Gedanken im Rennen aus. In der Tat haben wir und der EKRC uns schon nach wenigen hundert Metern deutlich von Germania und Neptun abgesetzt. Nach einem starken Zwischensprint und noch stärkerem Schlusssprint waren wir fast gleichauf mit dem EKRC, am Ende mussten wir uns dann aber leider knapp geschlagen geben. Für etwas Verwirrung sorgte das fehlende akustische Zielsignal, weshalb sowohl der EKRC als auch wir noch einige Meter weiter ruderten als wir eigentlich mussten. Deswegen waren wir uns auch zuerst unsicher, wie es überhaupt ausgegangen ist und ruderten erstmal erschöpft zurück zum Steg. Dort wurden wir von jubelnden ARVer*innen empfangen, die durch ihren Support jede Anstrengung wett machten! Es folgte noch eine Siegerehrung am Steg und danach eine gelungene Afterparty im ARV, bei der Marina unter Beweis stellte, dass sie nicht nur rudern, sondern auch für gute Musik sorgen kann.

Damit endete die Ära des Stadtachterteams 2026. Ich werde für mich daraus folgendes mitnehmen: Erstens, dass 8er rudern richtig viel Spaß macht und ich das unbedingt wieder machen will. Zweitens, dass frühes Aufstehen gar nicht so schlimm ist und der Schlafmangel beim schönen Sonnenaufgang doch gleich wieder wie vergessen ist. Und drittens, dass ich richtig stolz auf dieses Team und alles, was wir gemeinsam geschafft haben, bin.

 

 

Maia Stimming