Oste(r)wanderfahrt 2026
Gewässer: Oste (Niedersachsen), von Neuhaus nach Gräpel (57 km)
Es nahmen teil: Astrid Knollmann (ARC Rhenus Bonn), Diana Werchau, Ellen „LN“ Krohn, Fabian „Kniemeyer“ Klingbeil (ARC Rhenus Bonn),Felix „Flexi“ Kronenberg, Jörg Unnerstall, Jan-Niklas „Niki“ Studt, Sabine „Omma“ Beyer (ARC Rhenus Bonn), Wilhelm „WilLi“ Ermgassen und Wolf „Schwo“ Schwokowsky
Boote: Barth, Karl-Heinz II (jeweils C4x+) des TSV Bremervörde
Datum: Gründonnerstag (2.4.) bis Ostersonntag (5.4.)
Der Kanon der albern betitelten Osterwanderfahrten wurde in diesem Jahr um eine weitere Strophe ergänzt. Nachdem wir 2022 auf der Eider zur OsterEI(d)ER-Wanderfahrt und 2024 auf der Hase zur OsterHASE-Wanderfahrt zusammengekommen waren, stand in diesem Jahr nun die OSTE(r)wanderfahrt auf der Oste auf dem Programm.
In gewohnter Stammbesetzung mit der vertrauten Unterstützung unseres lieben ARC Rhenus Bonn und auf den Ruf von AH Jörg Unnerstall versammelten wir uns am Gründonnerstagabend im Bootshaus des TSV Bremervörde. Dieses ist durch eine große Wiese und einen kleinen Deich vom Fluss getrennt, liegt aber dennoch ziemlich dicht an der Oste.
Unser Luma-Lager errichteten wir im ersten Stock des Gebäudes, welches ausreichend Platz bot, uns mindestens 9 schnarchenden Menschen gemütlich unterzubringen. Ein permanentes Geräusch einer Heizungsanlage in der Küche sollte uns das Wochenende über begleiten und stets daran erinnern, dass es warmes Wasser nur aus dem Wasserhahn in der Küche oder in unvorhersagbaren 15-Sekunden-Abschnitten auch unter der Dusche geben sollte.
Am ersten Abend machten wir uns dann gemeinsam daran, die noch ungelöste Streckenfrage und den geplanten Ruderbeginn am ersten Rudertag (Karfreitag) zu planen. Da die Oste offenbar tatsächlich erst ab Bremervörde ruderbar war, wir aber ursprünglich geplant hatten, auch weiter flussaufwärts unterwegs zu sein, mussten wir umplanen. Allerdings mussten wir dabei die Gezeiten beachten, denn die Oste ist auf einem Großteil der Strecke tidenabhängig. Unser Plan, von Bremervörde aus zu starten, ließ sich nicht so recht mit den Gezeiten vereinbaren. Wir wollten weder morgens bereits um 6 Uhr starten (es war ja weder der Wesermarathon noch das Achtertraining für den Stadtachter) noch erst um 18 Uhr aufs Wasser gehen (es war ja noch nicht die Zeit der Sommersonnenwende und wir waren auch nicht in Skandinavien unterwegs).

Dr. Klingbeil veranschaulichte unser Problem, das wird fortan gemeinsam bewunderten, auf einem Flipchart, aber wir fanden keine wirklichen Alternativen zu den ungewöhnlichen Zeiten. Auch das Rudern gegen die Strömung erschien uns wenig reizvoll.
Schließlich war es Flexi, der zuvor noch vergeblich versucht hatte, des nervigen Geräusches der Heizungsanlage Herr zu werden, der eine überraschend einfache Lösung für uns parat hatte: Statt in Bremervörde zu starten, wie bis dahin stillschweigend von allen angenommen, sollte unsere Rudertour am geplanten Zielort Neuhaus, kurz vor der Ostemündung starten. Ein brillanter Plan! Dieser sollte es uns auch ermöglichen, am Ostersonntag nur eine kurze Tour (12 km) von Gräpel zu unserer Unterkunft in Bremervörde zu rudern, um dann zeitig wieder auf die Heimreise gehen zu können. Soweit der Plan …
Am Karfreitag sollte gegen 11 Uhr Ebbe in Neuhaus sein, so dass wir dann mit auflaufendem Wasser von dort aus in Richtung Hemmoor starten wollten. Nachdem wir die beiden Holz-C-Gigboote auf den neuen Bootsanhänger des TSV Bremervörde verladen hatten und pünktlich zum Niedrigwasser am historischen Hafen in Neuhaus eintrafen, stellten wir fest, dass bei Ebbe dort wirklich fast gar kein Wasser mehr im Hafenbecken war, so dass wir ausreichend Zeit hatten, die Boote wieder aufzuriggern (wobei wir eins der beiden Boote für die Fahrt auf dem Hänger gar nicht abgeriggert hatten) und mit Fahrtenproviant und anderer Ladung zu füllen. Die Zeit bis dahin nutzten wir dazu, um die Autos zu versetzen, also ein Auto am Ziel zu deponieren und dann mit dem zweiten Auto wieder zum Start zu fahren. Auf diese Weise konnten wir auf einen Landdienst verzichten und die beiden Vierer komplett besetzen. Jörg war vorausgefahren und hatte genau wie WilLi und Flexi im Bowa (aka. Partybus) den Navigationskünsten von Google Maps vertraut und wurde daher auf einem Waldweg kurz vor dem Ziel von einem Straßenpoller gestoppt. Als der Bowa mit Anhänger dort ankamen, hatte sich Jörg aber schon wieder aus dem Staub gemacht und war zum Bootshaus der Wasserfreunde Hemmoor weitergefahren. Da sich das Wenden des Gespannes vor dem besagten Poller etwas hinzog, nutze Jörg die Gelegenheit, sich mit seinem Auto auf der Wiese vor dem Bootshaus festzufahren. Wie gut, dass wir feststellten, dass auch sein Golf über eine (ausklappbare) Anhängerkupplung verfügt, so dass wir ihn dann problemlos mit dem Partybus wieder auf den befestigten Weg ziehen konnten.
Gegen 13 Uhr war dann das Hafenbecken in Neuhaus soweit gefüllt (der Tiedenhub ließ das Wasser innerhalb von zwei Stunden um 1,50 m steigen), dass wir dann die Wanderfahrt auch wirklich auf dem Wasser beginnen konnten. Das auflaufende Wasser half uns und der teils kräftige Wind kam mal von vorn, mal von der Seite und ab und an auch sogar von hinten … die Oste schlängelt sich halt doch ziemlich durch die Landschaft. Auch sonst erscheint der Fluss aus dem Ruderboot betrachtet eher „alleresk“: rechts und links ein Deich mit Schafen, die niedersächsische Landschaft dahinter oft nur erahnbar ... so erinnere ich es von mehreren Osterwanderfahrten zwischen Celle und Verden.

Unser Tagesziel war schon aus einiger Entfernung sichtbar, denn nur etwa zweihundert Meter hinter dem Bootssteg in Hemmoor konnten wir die Schwebefähre Osten erspähen, die älteste in Deutschland. Tatsächlich gibt es weltweit offenbar nur sieben solcher Bauwerke, eine Schwebefähre in Argentinien, die anderen befinden sich alle in Europa. Neben der in Hemmoor ist uns vor allem die Kanalfähre in Rendsburg bekannt.
Nachdem die Boote aus dem Wasser geholt und neben dem allgegenwärtigen Deich gelagert wurden, begaben wir uns auf den Rückweg nach Bremervörde. Dort wurde dann geschnippelt und ein leckeres Gemüsecurry zubereitet, während einige mutige (oder besonders stinkende) eine überwiegend eiskalte Dusche genossen. Nach dem Essen ließen wir den gemeinsamen Abend in Ruhe bei Bier und Eierlikör (wahlweise aus dem Schokobecher oder einer Frischeiwaffel) ausklingen.
Am Samstag stand die längste Etappe der Wanderfahrt an. Nach etwa 22 Kilometern am Vortag, standen nun weitere 35 auf dem Tagesplan. Aber wir hatten Zeit: Erst um 14 Uhr war Niedrigwasser in Hemmoor, so dass wir ganz in Ruhe in den Tag starten konnten. Genug Zeit blieb auch, sich die Schwebefähre anzuschauen oder sogar damit auf die andere Flussseite überzusetzen. Da in Sichtweite der Fähre vor einigen Jahren eine Bundesstraße inklusive einer Brücke über die Oste gebaut wurde, operiert die Schwebefähre nur noch im Museumsbetrieb. Zur allgemeinen Freude hatte ein Imbisswagen auf dem Vorplatz der Fähre am Vortag die Saison eröffnet. Es herrschte reger Betrieb und die Aussicht auf Pommes und Spritz-Getränke ließ uns geduldig in die Schlange einreihen. Von den frittierten Kartoffelstäbchen und der schwebenden Fähre vollends abgelenkt, kam niemand auf die Idee, die Autos erneut zu verschieben, so dass dies dann im Anschluss erfolgen musste.

Nachdem dies dann irgendwann (diesmal ohne Ver- oder Festfahren) abgeschlossen war, starteten wir den Rudertag zu rekordverdächtiger Zeit gegen 15:30 Uhr. Die Landschaft war etwas vielfältiger als am Vortag, es gab unterschiedliche Baumarten am Ufer, kleinere Ortschaften mit Fährstegen (allerdings noch nicht wieder im Saisonbetrieb), neben Schafen nun auch Pferde und Kühe sowie Schilf am Ufer. Wir hatten also einige Kilometer in überschaubarer Zeit zu absolvieren, erreichten aber noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang unser Tagesziel am Osteblick in Gräpel.
Wir hatten gerade die Boote an einer Rampe aus dem Wasser geholt und abgelegt, als ein Trecker mit einem Anhänger voller gut gelaunter und größtenteils angetrunkener Landjugendlicher angefahren kam. Die Gruppe hatte sich durch die Abfuhr von Grünschnitt aus der Umgebung offenbar ausreichend Geld erwirtschaftet, um sich ordentlich einen reinzulöten und deftig zu essen. Zudem war offenbar reichlich Material für das geplante Osterfeuer gesammelt worden, welches sie im Anschluss dann noch bewachen wollten. Während der Partybus aus Hemmoor abgeholt wurde, genossen die Wartenden bei Bier und Wein diese außergewöhnliche Gesellschaft. Von ausufernden Osterfeuern oder gar Personenschäden wurde am Folgetag allerdings nicht berichtet; es ist wohl alles soweit gutgegangen.
Inzwischen war es spät und dunkel geworden, so dass wir uns entschlossen, statt selbst zu kochen, Pizza in Bremervörde zu bestellen. Die Koordination der Bestellung zwischen den beiden Autos gestaltete sich herausfordernd, wurde aber gelöst. Gespannt verfolgten wir das Telefonat von Fabian mit dem freundlichen und geduldigen Menschen am anderen Ende der Leitung, der unserem Herrn „Kniemeyer“ gern die Bestellung bestätigte. Zurück im Ruderverein verspeisten wir hungrig die bestellten Teigfladen und auch die Omma bereute es nicht, sich aus ihrer Komfortzone herausbegeben zu haben und genoss eine für sie etwas ausgefallene Pizza.
Auch dieser Abend klang bei Bier und Wein aus. Dabei stellten wir fest, dass offenbar wirklich keine Aktiven bei dieser Wanderfahrt dabei waren: Das alkoholfreie Bier blieb praktisch unangetastet. Die Zeiten und Gewohnheiten ändern sich halt.

Am Ostersonntag war dann die Schlussetappe geplant. Die 12 Flusskilometer sollten schnell geschafft sein und die Rückfahrt dann zeitig angetreten werden. Letzteres schafften wir tatsächlich. Auf das Rudern verzichteten wir aufgrund des aufgezogenen Windes (für Rheinländer war es sicherlich ein ordentlicher Sturm) und holten die Boote mit dem Bootsanhänger wieder aus Gräpel ab und brachten sie zurück zum Bootshaus in Bremervörde. Die Unterkunft wurde in der Zwischenzeit bereits aufgeräumt und geputzt. Auch die Boote haben wir schnell gereinigt und konnten dann sogar noch die inzwischen versteckten Ostereier auf der Wiese hinter dem Deich suchen. Nachdem auch die ungeplant abgeschlossene Tür zur Bootshalle durch ein Mitglied des Vereins wieder aufgeschlossen wurde, waren Barth und Karl-Heinz II schnell wieder in der Bootshalle verstaut und wir machten uns in verschiedene Richtungen wieder auf den Weg nach Hause.

Noch steht nicht fest, ob der Osterkanon in den kommenden Jahren eine Fortsetzung erfahren wird (Vorschläge werden gern entgegengenommen), aber wir alle freuen uns bereits aufs kommende Jahr. Seid gern dabei!
WilLi